049_Campus Bollingerstrasse KJP Bern

Der Campus Bolligenstrasse am Stadtrand von Bern besteht aus einem denkmalgeschützten Gebäudeensemble mit grosszügigem Park. Die wertvolle Gesamtanlage wurde über die Jahre fortlaufend ergänzt und dokumentiert eindrücklich die Bau-, Freiraum- und Psychiatriegeschichtliche Entwicklung seit dem 15. Jahrhundert. Jeder bauliche Entwicklungsschritt steht im Ausdruck dabei für sich und seine Entstehungszeit. Besonders die historischen Bauten erscheinen dabei für das Areal prägend. Unser Projektvorschlag reiht sich in das durchgängige Prinzip der Selbstreferenzierung ein.

Die Allee bildet das zentrale Element der Gesamtanlage und übernimmt eine ordnende Funktion für das gesamte Areal. Darüber hinaus wird das Gebiet von zwei unterschiedlichen Freiraumkategorien geprägt: den umfriedeten Gärten sowie dem fliessenden Freiraum. Diese Freiraumstruktur schafft verschiedene Öffentlichkeitsgrade und ermöglicht unterschiedliche Formen der Aneignung, Nutzung und des Rückzugs.


Die Identität und der besondere Raumcharakter des Areals entstehen durch die Vielfalt an Orten, räumlichen Sequenzen und Sichtbezügen. Insbesondere der Blick von der Allee nach Osten vermittelt stellenweise noch eine ursprüngliche räumliche Abfolge und trägt so wesentlich zum historischen und atmosphärischen Charakter des Freiraums bei.

Die neue KJP hat einen klaren Eingang von der Allee aus. Die Stellplätze für Motorfahrzeuge und Velos befinden sich auf einer kleinen Verkehrsfläche, zusammen mit der Vorfahrt für die Anlage.


Der überdachte Durchgang markiert den Eingang zur KJP, der die Eingänge zur Tagesschule und den Eingang zu dem Empfang umfasst. Der überdachte Durchgang ist das verbindende Element zwischen den drei Gebäuden, aus denen die KJP besteht. Höfe lassen Licht herein und bringen die Vegetation auf den Weg. Er wird zu einem Treffpunkt für die Bewohner der Doppelstation, bietet Sitzgelegenheit und überdachte Aussenbereiche. Die Passage führt zu den grünen Aussenanlagen der Doppelstationen und der Tagesklinik, den neuen KJP-Gärten. Diese Gärten verfügen über einen Zugang am nordwestlichen Ende, der die KJP mit einem umlaufenden Weg verbindet, der bis zur neuen Schule im ehemaligen Tollhaus reicht.


Die Zufahrt zur Autoparkanlage wird so früh als möglich auf dem Areal und von der Allee aus erschlossen. An derselben Stelle wird -möglichst direkt und trotzdem von der Öffentlichkeit abgewandt- die Zufahrt zu Notfall und Forensik organisiert.

Der Freiraum der KJP ist auf allen vier Seiten klar gefasst und räumlich definiert. Zur Allee hin wird die Begrenzung durch das Klinikgebäude gebildet. Gleichzeitig erstreckt sich die fliessende Landschaft von Westen über die Allee hinweg bis in den Vorbereich der KJP, wodurch der Eindruck entsteht, die Klinik sei unmittelbar in den Park eingebettet.


Entlang der ehemaligen Bolligenstrasse wird die räumliche Fassung durch eine Gartenmauer fortgesetzt, welche sowohl den Garten der KJP als auch jenen des Pfundhauses umschliesst und damit den historischen Strassenraum weiterführt. Nach Osten wird der Freiraum ebenfalls durch die Gartenmauer sowie das Holzwerkplatzgebäude begrenzt, das die Ecke ähnlich den Eckpavillons der Alten Klinik prägt und gestaltet. Im Norden bildet der Hang des ursprünglichen Grabens mit seiner Bepflanzung als Grünfilter einen natürlichen Abschluss des Areals. Dadurch entsteht ein klar gefasster Freiraum mit einer differenzierten und zugleich zusammenhängenden räumlichen Struktur.

Der Aussenbereich der Forensik befindet sich auf der Südseite der KJP. Der Wunsch, einen angenehmen Aussenraum in Form eines Hortus Conclusus zu schaffen, wird durch eine doppelte Einfriedung zur Bolligenstrasse hin gelöst: eine 2 Meter hohe Gartenmauer und ein nicht bekletterbarer Zaun. Zwischen den beiden geschlossenen Bereichen sorgt ein Grüngürtel für eine optische Trennung und innere Abgeschiedenheit.


Die mäandrierende Form des inneren Zauns gliedert den Aussenraum in verschiedene Bereiche und schafft zugleich geschützte Nischen mit unterschiedlichen Nutzungen. Entlang seines Verlaufs entstehen Zonen für Ruhe und Aufenthalt, ein Spielrasen sowie ein kleiner Spielbereich mit Basketballkorb. Im Gegensatz zu den übrigen Gebäuden der KJP verfügt ausschliesslich das Forensik-Gebäude über einen direkten Bezug zum Aussenraum. Ein zentraler Innenhof mit grosskronigen Bäumen verhindert direkte Sichtbeziehungen zu den anderen Gebäuden und gewährleistet dadurch ein hohes Mass an Privatsphäre. Der Aussenbereich der Forensik umfasst zudem einen überdachten Aufenthaltsbereich neben den Hochbeeten, der das Essen im Freien ermöglicht und gleichzeitig einen Blick in den Garten bietet.

Standort: Bern BE
Status: Wettbewerb 1. Rang, in Bearbeitung
Architektur: Wulf Architekten; Studio PEZ